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Einblick in die Ausstellung "Mozart. Experiment Aufklärung", Albertina Wien 2006

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DA PONTE Research Center

Das DA PONTE Research Center trat 2009 die Nachfolge des Da Ponte Instituts an, welches 2001 von Herbert Lachmayer gegründet wurde.

Opernforschung
Die Oper als vollendete Form des Musiktheaters und als Inszenierungsstrategie gesellschaftlicher Repräsentation seit dem 17. Jahrhundert zu begreifen, umschreibt Inhalt und Ziel der interdisziplinären Forschungsarbeit des DA PONTE Research Centers - auch im Hinblick auf künstlerische Praxis. Dabei kommen musik- und theaterwissenschaftliche Analysen, das Forschungsfeld Librettologie und die musikologische Werkerfassung genauso zum Einsatz wie beispielsweise die Erarbeitung einer soziokulturellen Mentalitätsgeschichte der „Konjunktur von Opernstoffen“, die Erforschung der produktivitässtrategischen Wechselwirkung von Komponist und Librettist, die Architekturgeschichte der Opernhäuser sowie die Historiographie musikalisch-theatralischer Aufführungspraxis und ihrer jeweils aktualisierten „Pathos-Formeln“.

Ausstellungsformat „Staging Knowledge“ und künstlerisch-wissenschaftliche Forschungspraxis
Das DA PONTE Research Center ist mit der theoretischen wie intuitiv-konzeptionellen Grundlegung und mit der umsetzungsorientierten Entwicklung der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungspraxis „Staging Knowledge“ befasst. In diesem Ausstellungsformat wird die Inszenierung von Wissensräumen mit „performativer Rhetorik“ verbunden, welche die ursprüngliche Konzeptidee und die komplexe Inspiration des kulturgeschichtlichen Kontextes vor dem jeweiligen Publikum immer neu entstehen zu lassen. Das kuratorische Team redet die Ausstellung herbei, um nach der Ausstellung in ihr weiterzureden. Die Aktualisierung der interdisziplinär verbundenen Inhalte heißt, mit dem „kulturellen Gedächtnis“ buchstäblich in der Gegenwart anzukommen. Eine am ästhetischen Urteil entwickelte und verfeinerte „Geschmacksintelligenz“ ist dabei der wissenschaftlichen Forschungskompetenz als erkenntnisrelevant gleichwertig vorausgesetzt – die Domestizierung der erscheinenden Wirklichkeit zu Erkenntnisgegenständen durch das Regelwerk des Verstandes ist den Assoziationen des Unbewussten dabei nicht übergeordnet. So kann der künstlerischen Phantasietätigkeit der „Real Virtuality“ unserer Einbildungskraft Erkenntnisstatus eingeräumt werden – damit wird von der „Virtual Reality“ der Technologie inhaltliche Kreativität erwartet und verlangt.

Kulturvermittlung und Ausbildungsmodule
Die Vorläufermodelle von „Staging Knowledge“ verdanken sich der rhetorischen Praxis, in selbstgeschaffenen ästhetischen Umgebungen die Fähigkeit der freien Rede zu erlernen und auszuüben. Eine so verstandene Kulturvermittlung war unverwechselbar von der herkömmlichen Museumspädagogik unterschieden, welche mit beflissener Didaktik einen expertengenerierten und zugleich geadelten Inhalt den Dodeln verkaufen wollte – „Staging Knowledge“ hingegen bezieht sich auf die „Geist-Erzeugung“ der wissenschaftlich recherchierten kultur- und sozialgeschichtlichen Inhalte als rhetorisch-performative Intervention, welche der wissenschaftlichen und ästhetischen Intervention nicht untergeordnet ist. Deshalb gilt für dieses Ausstellungsofrmat „Staging Knowledge“, dass Vermittlungsstrategie immer auch Forschungsstrategie ist und umgekehrt, Erkenntnisrelevanz von Kunst. In Kooperation mit der  Stanford University 2006 konnte diese künstlerisch-wissenschaftliche Forschungspraxis „Staging Knowledge“ als Abteilung/Studienrichtung an der Kunstuniversität eingerichtet werden und wird in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar auch an der Bauhaus-Universität Weimar gelehrt. Parallel zur akademischen Forschung und Lehre wird seit 2008 „Staging Knowledge“ auch als Ausbildungsmodul der bildnerischen Erziehung in den Oberstufen der Allgemein bildenden höheren Schulen und Gymnasien unter dem Projekttitel „Man wird doch wohl noch träumen dürfen“ praktiziert: in Slovenien, Italien, Österreich und Deutschland.

Sammlungsgeschichte
Das Forschungsthema Sammlungsgeschichte wird im Rahmen des DA PONTE Research Centers als Erforschung von Archiven als Gedächtnisräume angeführt, um die Thematik der historischen Sammlungsstrategien mit zeitgemäßen Kontextualisierungsmethoden zu verbinden. Dieser Rechercheansatz wird an den Sammlungen der Klassik Stiftung Weimar gleichermaßen durchgeführt wie in Jena. Ziel dieser sammlungsgeschichtlichen Untersuchungen ist unter anderem die Aufbereitung von Archivmaterial für das Auffinden von emblematisch-exemplarischen Tableaus für die „Staging Knowledge“-Ausstellungen.