Einblick in die Ausstellung „Lorenzo Da Ponte. Aufbruch in die neue Welt“, Architektur: Christian Prasser

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Lorenzo Da Ponte
Aufbruch in die neue Welt

vom 22. März bis 17. September 2006
Jüdisches Museum Wien, Palais Eskeles


„Als Tragikomödie ist mein Leben gelungen.“
Lorenzo Da Ponte, 1785

 

Wien, 1781:

Lorenzo Da Ponte, in Venedig für seine poetischen Improvisationen berühmt, erreicht mit nur einem Empfehlungsschreiben die „Stadt der Toleranz“. Ein gutes Jahr später ist er Dichter des Hoftheaters, Mozart wird ihn um drei Libretti und Casanova immer wieder um Geld bitten. Am Ende der 1780er Jahre ist er der mächtige Impresario der italienischen Oper.

Mozarts Poet?

„Wir haben hier einen gewissen abate da Ponte als Poeten“, schreibt Mozart 1783 ungeduldig an seinen Vater. „Dieser [...] muß per obligo ein ganz neues büchel für den Salieri machen. – das wird vor 2 Monathen nicht fertig werden. – dann hat er mir ein Neues zu machen versprochen.“ Schließlich bekommt Mozart mit dem Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte drei „Bücheln“ von Da Ponte.

Venedig, Wien, London, New York.

In der Ausstellung erzählte Da Ponte seine Geschichte selbst. Und zwar aus New Yorker Perspektive, wo er länger als irgendwo sonst gewohnt und seine Memoiren geschrieben hat. Er war der weise, alte Mann, genau wie auf dem Gemälde auf dem Katalog-Einband. Er kannte die Welt wie kein anderer und hatte alles und jeden Widerspruch am eigenen Leib erfahren: Das jüdische Ghetto im Veneto, die Taufe als 14jähriger, die Priesterweihe und die Verbannung aus Venedig. Die Stationen nach Wien hießen Triest, London und ab 1805 die USA, wo er bis zu seinem Tod 1838 lebte. In diesem Land, das noch kein festes Opernhaus und keine italienische Kultur kannte, etablierte er sich als Delikatessen- und Buchhändler sowie Italienischprofessor. Sein Versuch, der Oper in New York ein festes Haus zu geben, gelang – und endete schnell im Bankrott.


Mozart wurde deutsch und Da Ponte „arisiert“.

Die Ausstellung mit zahlreichen historischen Objekten und Kunstwerken führte von Da Pontes Welt in seine Nachwelt, die sich bei genauerem Hinsehen jedoch mehr und mehr als eine Welt Mozarts entpuppt. Begegnen konnte man den Mozartbildern, die jüdische Musiker und Musikwissenschafter um die Jahrhundertwende geprägt haben, und zu erfahren war, wie die Nazis aus Mozart einen deutschen Künstler modellierten und daran gingen, seinen Librettisten mit jüdischer Herkunft zu „arisieren“. Das Ende der Ausstellung zeigte wieder New York, genau hundert Jahre nach Da Pontes Tod. Die Stadt ist zu einem Treffpunkt von Musikern geworden, die auf ihrer Flucht vor den Nazis ihre mitteleuropäische Sicht auf Mozart und Da Ponte in die Welt tragen.
(Quelle: Jüdisches Museum Wien)

 

Kurator: Werner Hanak, Reinhard Eisendle, Herbert Lachmayer
Koordinator: Werner Hanak
Ausstellungsgestaltung: Christian Prasser
Ausstellungsgrafik: Erwin Bauer

Fotos der Ausstellung:
Christian Prasser, © Jüdisches Museum Wien